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Was plant Thüringen beim Kiga-Gesetz – und warum betrifft das Familien direkt?
(Diesen Inhalt gibt es leider noch nicht in leichter Sprache. Wir arbeiten gerade daran.)
In Thüringen liegt aktuell ein Entwurf zur Änderung des Thüringer Kindergartengesetz vor (ThürKigaG). Für viele Menschen klingt das zunächst nach Verwaltung und Paragrafen. Tatsächlich geht es aber um ganz praktische Fragen des Alltags:
- Wie flexibel können Familien Betreuungszeiten nutzen?
- Wie gut sind Kitas personell und fachlich aufgestellt?
- Gibt es genug Geld für Sanierungen, Barrierefreiheit und gute Räume? +• Können Träger auch bei sinkenden Kinderzahlen verlässlich planen?
Als Träger von Kindertageseinrichtungen begrüßen wir einige gute Ansätze im Entwurf – sehen aber auch Punkte, die aus Sicht der Praxis verbessert werden sollten.
Was wir positiv sehen
Der Entwurf setzt wichtige Signale:
Mehr Beteiligung und Demokratiebildung: Kinder sollen stärker beteiligt werden. Demokratie, Mitbestimmung und respektvolles Zusammenleben werden im Gesetz deutlicher hervorgehoben. Das unterstützen wir ausdrücklich. Kitas sind wichtige Orte, an denen Kinder früh lernen:
• gehört zu werden
• Konflikte fair zu lösen
• Vielfalt zu erleben
• Verantwortung zu übernehmen
Fachliche Qualität im Blick: Auch die Bedeutung fachlicher Begleitung und Qualitätsentwicklung wird gestärkt. Das ist richtig und wichtig.
Wo wir Nachbesserungsbedarf sehen
- Gute Ziele brauchen auch genügend Unterstützung
Wenn Kitas mehr Aufgaben übernehmen sollen – etwa bei Beteiligung, Inklusion, Beratung oder Qualitätsentwicklung – braucht es auch ausreichend Unterstützungssysteme. Dazu gehört vor allem Fachberatung. Fachberater*innen helfen Einrichtungen zum Beispiel bei:
• Teamentwicklung
• pädagogischen Fragen
• Kinderschutz
• Inklusion
• Konflikten mit Eltern
• Konzeptionsentwicklung
Unsere Sorge: Neue Aufgaben werden benannt, aber nicht ausreichend finanziert.
Warum das wichtig ist: Ohne ausreichende Unterstützung landen zusätzliche Anforderungen direkt bei Leitungen und Teams – und damit im ohnehin angespannten Kita-Alltag.
- Kitas brauchen moderne und sichere Gebäude
Viele Einrichtungen müssen saniert, modernisiert oder barrierefrei umgebaut werden. Dazu zählen zum Beispiel:
• Sanitärbereiche
• energetische Sanierung
• Außengelände
• Brandschutz
• Räume für Inklusion und Rückzug
• moderne Lernumgebungen
Unsere Sorge: Der Entwurf regelt nicht klar genug, wie solche Investitionen langfristig finanziert werden.
Warum das wichtig ist: Wenn Investitionen verschoben werden, leidet nicht nur das Gebäude – sondern die Qualität des Alltags für Kinder und Fachkräfte.
- Sinkende Kinderzahlen brauchen faire Lösungen
In vielen Regionen gehen die Kinderzahlen zurück. Das betrifft Kitas bereits heute. Weniger Kinder bedeutet aber nicht automatisch weniger Kosten:
• Gebäude bleiben bestehen
• Fachkräfte werden weiterhin gebraucht
• Öffnungszeiten müssen gesichert werden
• Qualität soll erhalten bleiben
Der Entwurf sieht hierfür nur eine einmalige Unterstützung vor.
Warum das wichtig ist: Ein kurzfristiger Zuschuss löst keine langfristige Entwicklung. Kitas und Träger brauchen verlässliche Planungssicherheit.
- Unterstützung sollte nicht nur für kleine Kitas gelten
Geplante Hilfen richten sich vor allem an kleinere Einrichtungen. Unsere Erfahrung zeigt jedoch: Auch größere Kitas können stark betroffen sein – teilweise sogar stärker, wenn freie Plätze entstehen und hohe Fixkosten weiterlaufen.
Warum das wichtig ist: Förderung sollte sich am tatsächlichen Bedarf orientieren – nicht nur an der Größe einer Einrichtung.
- Eltern brauchen flexible Betreuung – keine komplizierten Zeitmodelle
Besonders kritisch sehen wir geplante Änderungen bei Elternbeiträgen und Betreuungszeiten. Wenn Betreuung sehr genau nach Stunden oder Zeitfenstern abgerechnet wird, entstehen Probleme:
• mehr Bürokratie
• mehr Kontrolle von Bring- und Abholzeiten
• weniger Flexibilität für Familien
• mehr Konfliktpotenzial
• mehr Verwaltungsaufwand in der Kita
Warum das wichtig ist: Kitas sind Bildungsorte – keine Zeiterfassungssysteme. Familien brauchen praktikable, flexible Lösungen. Pädagogische Fachkräfte sollten Zeit für Kinder haben, nicht für minutengenaue Kontrollen.
Was wir uns wünschen
- Für ein starkes Kita-System in Thüringen braucht es aus unserer Sicht:
- Verlässliche Finanzierung statt kurzfristiger Einzellösungen
- Gute Rahmenbedingungen für Fachkräfte, Leitungen und Familien
- Investitionen in Gebäude und Ausstattung damit Kinder gute Lernorte haben
- Weniger Bürokratie damit mehr Zeit für Kinder bleibt
- Familienfreundliche Flexibilität statt starrer Zeitmodelle
Unser Fazit
Der Gesetzentwurf enthält gute Ansätze. Gleichzeitig entscheidet sich die Qualität eines Gesetzes nicht nur an guten Zielen, sondern daran, ob es im Alltag funktioniert. Kinder, Familien und Fachkräfte brauchen ein System, das verlässlich, flexibel, gut ausgestattet und praxistauglich ist.
Dafür setzen wir uns als QuerWege e.V. ein
Wir haben ein Statement an die Fraktionen des Thüringer Landtags gesendet, um unsere Kritik einzubringen. Dieses findet ihr im Download-Bereich.
veröffentlicht am 23. April 2026